Der Argos Index® für das mittlere Marktsegment

3. Quartal 2021

Kernaussagen:

  • Der Argos Index® entwickelte sich rückläufig, auf 11.0x EBITDA.
  • Die von Finanzinvestoren gezahlten Multiples fielen deutlich.
  • Transaktionen mit Multiples >15x EBITDA blieben auf einem stabilen Level (25 %).
  • Börsennotierte Unternehmen waren im Mid-Market-Segment sehr aktiv, u.a. dank steigender Aktienbewertungen und Veränderungen von Geschäftsmodellen.
  • Gemischtes Bild bei der M&A-Aktivität im Mittelstand: Anzahl stabil, im Wert rückläufig.
01

Der Argos Index® sank auf 11.0 x EBITDA.

Der Argos Index® sank im dritten Quartal 2021 auf 11.0x EBITDA. Damit blieb er dennoch auf historisch hohem Niveau.

Der Rückgang ist das Ergebnis der niedrigeren Multiples, die von Finanzinvestoren gezahlt wurden. Sie lagen nach dem Rekordhoch des zweiten Quartals jetzt bei 11,3 x EBITDA und damit wieder näher an den 10,9x EBITDA, die von strategischen Käufern gezahlt wurden.

Die Korrektur spiegelt auch eine Veränderung der Zusammensetzung des Index wider. Die Zahl der Transaktionen in traditionellen Branchen bewegte sich wieder im normalen Bereich von vor der Coronakrise. Der Anteil von Transaktionen im Gesundheitswesen und in der Technologie ging im dritten Quartal 2021 auf unter 40 % zurück.

Auch die Polarisierung unter den Sektoren verschärfte sich. Die Standardabweichung des Index lag sehr hoch. In einem atypischen Umfeld nach Covid sind Zahlen für 2020/2021 schwieriger zu interpretieren und Cashflows weisen eine große Volatilität auf.

Trotzdem blieb der Index auf einem hohen Stand, was den sehr günstigen makroökonomischen Bedingungen zu verdanken war. Die Konjunktur erholte sich viel schneller und stärker als erwartet, je weiter die Impfkampagnen in Europa erfolgreich umgesetzt wurden. Außerdem flossen umfangreiche Fördermittel der Europäischen Union und ihrer Mitgliedstaaten in die Wirtschaft, während die EZB ihre außergewöhnlichen Finanzierungsbedingungen aufrechterhielt. Dieses Umfeld hat einen großen Überschuss an anlagewilligen Barmitteln generiert.

Argos Index®-Mid-Market
Median EV/EBITDA-Multiple auf Sechsmonatsbasis (rollierend)
02

Finanzinvestoren zahlten geringere Multiples.

Die von Finanzinvestoren gezahlten Multiples sanken auf 11.3x EBITDA, nachdem sie im zweiten Quartal Rekordhöhe erreicht hatten.

Die im Laufe des Berichtszeitraums abgeschlossenen Transaktionen fokussierten sich weniger stark auf die Sektoren Healthcare und Technologie, was sich unmittelbar auf die Multiples auswirkte.

Die Preise waren jedoch nach wie vor hoch und etwas höher als die von strategischen Käufern gezahlten. Die Gründe sind unverändert: außergewöhnliche Finanzierungsbedingungen, ein Überangebot an anlagewilligem Kapital und der scharfen Wettbewerb um hochwertige Vermögenswerte.

Die weltweite Aktivität von Finanzinvestoren(1) erreichte über die ersten neun Monate von 2021 eine Gesamtsumme von 820 Mrd. USD – ein Level, das seit den 1980er Jahren nicht gesehen wurde. Es entspricht einem Viertel des M&A-Marktes.

 

Quelle: Refinitiv in Les Echos, 01.10.2021

 

03

Der Anteil der Transaktionen mit Multiples >15x EBITDA hielt sich stabil, bei 25 %

Der Anteil von Transaktionen mit Multiples > 15x EBITDA blieb im dritten Quartal hoch (ein Viertel der analysierten Transaktionen).

04

Börsennotierte Unternehmen waren im Mid-Market-Segment sehr aktiv, u.a. dank steigender Aktienbewertungen und Veränderungen ihrer Geschäftsmodelle.

Die im dritten Quartal von strategischen Käufern gezahlten Multiples blieben mit 10,9x EBITDA unverändert hoch. Fast 78 % der strategischen Käufer waren große börsennotierte Unternehmen. Der Wert setzt den Trend der ersten Jahreshälfte fort und stellt einen Rekord seit der Einführung des Argos Index® im Jahr 2004 dar.

Börsennotierte Unternehmen profitierten von dem fortgesetzten Anstieg der Aktienmärkte1 sowie von ihren eigenen hohen Multiples, trotz eines leichten Rückgangs auf 9,9x EBITDA2 in diesem Quartal.

Begünstigt wurde ihre M&A-Aktivität von der Konjunkturlage, der Verfügbarkeit kostengünstiger Finanzierungen sowie einer Rekordhöhe von verfügbaren Barmitteln nach der Krise3. Außerdem schlagen sich darin strukturelle Veränderungen nieder, wie z.B. Digitalisierung, ESG-Ziele und ein veränderndes Verbraucherverhalten. Große Unternehmen in unterschiedlichen Branchen nahmen diese zum Anlass, sich grundlegend zu verändern, und sie führten außerdem zu strategischen Zukäufen.

 

1 Der EURO STOXX® TMI stieg im 3. Quartal 2021 um 1,9 % und ist damit seit dem 01.04.2020 um 63 % gestiegen.

2 Die EV/LTM EBITDA belief sich auf 9,9x für in der Eurozone börsennotierte Mid-Market-Unternehmen (Quelle: smallcaps.infrontanalytics.com)

3 Verfügbare Barmittel von Industrieunternehmen zum Jahresende 2020 weltweit 5,2 $ Billionen, ein Plus von 27 % gegenüber 2019 – Quelle: Janus Henderson Global Dividend Index, Juli 2020

05

Gemischtes Bild bei der M&A-Aktivität im Mittelstand: Anzahl stabil, im Wert rückläufig.

Im Anschluss an die Erholung im zweiten Quartal stabilisierte sich die M&A-Aktivität im Mittelstand zwar nach Anzahl, nahm aber in Bezug auf den Gesamtwert im Vergleich zum Vorquartal ab.

Die weltweite M&A-Aktivität(1) erreichte über die ersten neun Monate 2021 mit 4,4 Billionen USD ihren historischen Höchststand, getrieben von der starken wirtschaftlichen Erholung und der aktiven Akquisitionsstrategie von Großunternehmen.

Die Erholung im europäischen Mittelstandssegment blieb jedoch hinter dem US-Vergleichswert sowie dem der europäischen Large-Caps zurück.

Mittelständische Unternehmen sind zuletzt vorsichtiger gewesen, denn zwei Gründe haben zu einer steigenden Komplexität von Transaktionen geführt: Die atypische, instabile Situation im Covid-Umfeld und das hohe Tempo der Konjunkturerholung. Bestehende Lieferketten wurden aufgebrochen, die Preise für Energie und Rohstoffe stiegen rasant an und die Nachfrage schoss ist hoch. Die Folgen: die Interpretation von Finanzinformationen ist schwieriger geworden, die Volatilität der Cash Flows ist angestiegen und die Bestimmung von Preisen ist erschwert.

 

  1. Quelle: Refinitiv in Les Echos, 1. Oktober 2021

Die durchschnittliche Größe der Transaktionen im Mittelstand blieb mit ca. 120 Mio. EUR im dritten Quartal unverändert hoch.

Newsletter subscription

* required fields