Der Argos Index® für das mittlere Marktsegment

Zweites Quartal 2020

Kernaussagen:

  • Der Argos Index® hält sich stabil bei 9,2x EBITDA – die Bewertungen in unterschiedlichen Branchen weichen allerdings signifikant voneinander ab
  • Die M&A-Aktivität ist im zweiten Quartal stark zurückgegangen: 40% nach Anzahl und 60% nach Wert, verglichen mit Q1 2020 und Q2 2019
  • Die von Finanzinvestoren (9,3x) und strategischen Käufern (8,9x) gezahlten Kauf-Multiples haben sich angenähert
  • Deutschland ist wieder die aktivste Region der Eurozone bei Mittelstands-M&A: neuer Rekord-Marktanteil von 31%
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Der Argos Index® hält sich stabil bei 9,2x EBITDA; doch die Bewertungen unterschiedlicher Branchen driften auseinander

  • Nachdem der Argos Index® im ersten Quartal 2020 einen deutlichen Rückgang verzeichnet hatte, stabilisierte er sich im zweiten Quartal bei 9,2x EBITDA. Die gezahlten Kauf-Multiples sind also im Durchschnitt nicht weiter gefallen. Das wirtschaftliche Umfeld schlug sich eher in einem Rückgang der M&A-Aktivität insgesamt nieder.
  • Die augenscheinliche Stabilität des Argos Index® täuscht jedoch über etwas hinweg: die Bewertungen unterschiedlicher Sektoren driften deutlich auseinander. Auf der einen Seite stehen diejenigen, die von der Krise verschont blieben (IT, Gesundheitswesen etc.), auf der anderen die Branchen, die stark getroffen wurden. Hier ergriffen Käufer zuletzt häufiger die günstige Gelegenheit und erwarben Unternehmen zu niedrigeren Bewertungen.Der Argos Index® bildet den Median aller Bewertungsmultiples ab und blieb stabil, aber die Standardabweichung ist gestiegen.
    • Es gibt weitere Gründe, warum der Index sich trotz des starken wirtschaftlichen Rückgangs auf einem stabilen Niveau gehalten hat:
      • Die Finanzierungsbedingungen sind dank des schnellen und massiven Eingreifens der EZB weiterhin positiv.
      • Unternehmen und Finanzinvestoren verfügen über erhebliche Mengen an liquiden Mitteln, die sofort für Zukäufe zur Verfügung stehen, wenn sich gute Gelegenheiten ergeben.
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Die von Finanzinvestoren (9,3x) und strategischen Käufern (8,9x) gezahlten Multiples haben sich angenähert / Strategen opportunistischer

  • Buyout-Fonds haben etwas höhere Kauf-Multiples gezahlt als im ersten Quartal. Sie stiegen leicht an, auf 9,3x EBITDA (Q1: 8,8x). Die Anzahl der Transaktionen fiel um 35%.  
  • Fonds haben weiterhin in robuste Sektoren investiert, deren Bewertungen von der Krise nicht beeinflusst wurden.
  • Die von strategischen Käufern gezahlten Kaufpreise sind weiter gefallen. Die Multiples lagen im Schnitt bei 8,9x EBITDA (Q1: 10,0x). Große börsennotierte Unternehmen waren die aktivsten strategischen Käufer im Mittelstandssegment (>70% der Transaktionen) – kleinere und nicht-börsennotierte Käufer kamen seltener zum Zug.  
  • Strategische Käufer agierten opportunistischer als Fonds und schlugen vermehrt bei gefallenen Bewertungen zu.
Abbildung 2 – Unternehmensbewertung / EBITDA im Zeitverlauf
Quelle: Mid-Market Argos Index® / Epsilon Research
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Hohe Multiples von 15x EBITDA und mehr werden weiterhin gezahlt

Der Anteil der Transaktionen mit hohen Multiples von 15x EBITDA und mehr lag im ersten Halbjahr 2020 bei 15% (Q1: 12%). Das zeigt, dass sich vor allem die Kaufpreise für erfolgreiche Unternehmen, die von Covid-19 nicht negativ getroffen wurden (Technologie, Gesundheitswesen, etc.), robust gehalten haben.

Abbildung 3 – Anteil der Transaktionen mit Multiples >15x EBITDA
Quelle: Mid-market Argos Index® / Epsilon Research
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Die Bewertungen für börsennotierte und nicht-börsennotierte Unternehmen haben sich angenähert

Die für börsennotierte Unternehmen gezahlten Multiples stiegen im zweiten Quartal um 9% auf 7,4x (1), getrieben von der schnellen Erholung der Aktienmärkte (2). Im ersten Quartal hatten wir noch einen Rekordunterschied zwischen den von Strategen gezahlten Kaufpreisen für börsennotierte (6,8x) und nicht-börsennotierte (10,0x) Unternehmen gesehen. Die Zahlen haben sich nun angenähert.

(1) EV/LTM EBITDA von 6,8x, börsennotierte Unternehmen im Mittelstandssegment in der Eurozone (Quelle: smallcaps.infrontanalytics.com)

(2) The EuroStoxx® TMI Small Index gewann 16.5% zwischen dem 1. April und dem 30. Juni 2020.

Abbildung 4 – Vergleich von Multiples für börsennotierte (1) und nicht-börsennotierte Unternehmen im Mid-Market-Segment (gezahlt von strategischen Käufern)
Quelle: Mid-Market Argos Index® / Epsilon Research / InFront Analytics
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Starker Rückgang der M&A-Aktivität im europäischen Mittelstand in der ersten Jahreshälfte

  • Die Mittelstands-M&A-Aktivität in der Eurozone ist im zweiten Quartal im Zuge der Covid-19-Krise und des Lockdowns großer Teile der europäischen Bevölkerung stark gefallen – um 40% nach Anzahl und 60% nach Wert der Transaktionen (sowohl im Vergleich mit dem ersten Quartal 2020 als auch dem zweiten Quartal 2019).
  • Der M&A-Markt ist aber nicht komplett zum Erliegen gekommen. Im zweiten Quartal wurden mehr als 150 Transaktionen angekündigt, gleichmäßig verteilt über April, Mai und Juni.
  • Deutschland war aktiver als der Rest der Eurozone. Der Anteil ist während der Coronakrise weiter gestiegen, auf 31% im ersten Halbjahr 2020.
Abbildung 5 – M&A-Aktivität im europäischen Mittelstandssegment (€15-500 Mio.) nach Gesamtvolumen und Marktsegment
Quelle: Epsilon Research / Market IQ
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Deutschland aktivste Region der Eurozone bei Mittelstands-M&A; neuer Rekord-Anteil von 31%

  • Der Anteil deutscher Transaktionen ist in den vergangenen Monaten stark gestiegen: 31% aller Mittelstandsdeals in der Eurozone fanden in Deutschland statt. Die Coronakrise scheint diesen Trend verstärkt zu haben.
  • Der Anteil Frankreichs ist leicht gestiegen und lag bei 18%. Damit liegt Frankreich weiterhin hinter Deutschland zurück. Allerdings ist der Anteil mittelständischer Unternehmen an der Wirtschaft in Frankreich auch kleiner als in Deutschland.
  • Der Süden der Eurozone wurde stärker von der Pandemie getroffen und der Marktanteil der südeuropäischen Länder ist gefallen. Italien, Spanien und Portugal waren in der ersten Jahreshälfte jeweils an weniger als 10% der Mid-Market-Deals beteiligt.
Abbildung 6 – M&A-Aktivität im Mittelstandssegment in der Eurozone
Quelle: Epsilon Research / Market IQ

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