Anpassung, Wachstumschancen und Perspektiven: maßgeschneiderte Unterstützung von Argos Wityu in Krisenzeiten

Beispiellos. Wenn sich die weltweite Krise zu Beginn dieses Jahres überhaupt mit einem einzigen Adjektiv beschreiben lässt, dann wohl mit diesem. Es handelt sich zwar in erster Linie um eine Gesundheitskrise, doch ebenso um eine wirtschaftliche und finanzielle Notlage. Die Ausgangsperren, die in vielen Ländern verhängt wurden, haben die Geschäftstätigkeit der Unternehmen ausgebremst und in manchen Fällen sogar zum Stillstand gebracht.

Vorrangiges Anliegen eines jeden Unternehmens: die Sicherung von Arbeitsplätzen – alle Mitarbeiter erhielten während der Ausgangssperren und Kontaktbeschränkungen Gehaltszahlungen – bei gleichzeitigem effizienten Kostenmanagement. Argos Wityu unterstützt Unternehmen flexibel und mit der Expertise des gesamten Teams dabei, sich auf die Situation einzustellen und entstehende Chancen zu nutzen. Dank der Präsenz in mehreren europäischen Ländern (Frankreich, Deutschland, Italien, Luxemburg, Schweiz und Belgien) und der Erfahrung im Umgang mit komplexen Situationen kann der Fonds dem Management Unterstützung bieten, die auf die jeweiligen Verhältnisse zugeschnitten ist. Hier einige Maßnahmen, die bisher ergriffen wurden, um das Wachstum der Portfoliogesellschaften zu fördern:

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Anpassung an die Marktnachfrage

Die Ausgangssperren und Kontaktbeschränkungen haben schnell zu einer Nachfrage für neue Produkt- und Dienstleistungsangebote geführt.

Das französische Unternehmen Olinn, ein Leasingspezialist, der seit 2018 von Argos Wityu unterstützt wird, hat daraufhin sein Refurbishing-Angebot ausgebaut. Aufgrund von Telearbeit und der erhöhten privaten Nachfrage entstand ein Bedarf, dem so nachgekommen wurde. Olinn hat die Chance ergriffen. Die Digitalisierung wurde weiter voran getrieben und die vor einigen Monaten in die Wege geleiteten Übernahmen zweier Unternehmen wurde weiter verfolgt. Im Ergebnis verzeichnete das Refurbishing-Geschäft seit Beginn der Krise ein organisches Wachstum von 20 %. Die Margen lagen im April 50 % höher als im gleichen Monat des Vorjahres.

Sicura in Italien ist ebenfalls ein gutes Beispiel für die Anpassung an das Marktgeschehen. Der Anbieter integrierter Dienstleistungen für Arbeitsschutz und das Wohl der Mitarbeiter wird seit 2020 von Argos Wityu unterstützt. Sicura entwickelte eine neue Dienstleistung, die Unternehmen bei der allmählichen Wiederaufnahme der Arbeit hilft. Den Kunden wird all das angeboten, was entsprechend staatlicher Empfehlungen erforderlich ist, um den Schutz der Mitarbeiter und ein sicheres Arbeitsumfeld zu gewährleisten (Tests, Desinfektionsmittel, kontaktlose Fiebermessung, Errichtung physischer Barrieren usw.). Argos Wityu stellte dem Unternehmen eine Reihe potenzieller Kunden vor, vermittelte der Geschäftsführung Kontakt zu einem der führenden italienischen Virologen und beriet das Unternehmen in Bezug auf die Preisgestaltung für sein neues Angebot. Dank dieser Neuausrichtung besteht nun die Aussicht, dass sich die Geschäftsbereiche mit wiederkehrenden Umsatzerlösen nahezu vollständig erholen.

Maison Berger, ein wichtiger Akteur im Raumduftsegment, der seit 2017 von Argos Wityu unterstützt wird, stellte seine Produktionsanlagen auf die Herstellung von hydroalkoholischen Lösungen um und führte so eine neue Produktlinie ein. Außerdem bot sich die Gelegenheit, die E-Commerce-Strategie des Unternehmens weiterzuentwickeln, während alle Fachgeschäfte geschlossen waren. Im April dieses Jahres wurden online doppelt so hohe Umsätze wie im April 2019 erzielt.

Als sich der öffentliche Konsum in den Privatbereich verlagerte, gelang Moro, dem führenden Frischkäsehersteller und -großhändler Italiens, eine rasche Erholung, indem sich das Unternehmen auf Supermarktketten konzentrierte, die ein außergewöhnlich hohes Umsatzwachstum verzeichneten. Die Vorstellung bei neuen Geschäftskontakten, die Belieferung der Bestandskunden und eine Erweiterung des Produktangebots waren allesamt Bestandteile einer Strategie, dank derer Moro im März und April seinen Umsatz mit Supermarktketten gegenüber den gleichen Monaten im Vorjahr um 60 % steigern konnte. Diese Neukunden werden auch dazu beitragen, das Wachstum in Zukunft aufrechtzuerhalten. Die Wiedereröffnung der Restaurants dürfte es dem Unternehmen ermöglichen, die während der Ausgangssperren erlittenen Umsatzverluste aufzuholen.

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Schnellere Digitalisierung

Mit der Schließung von Unternehmen und Ausgangssperren bzw. Kontaktbeschränkungen für die Bevölkerung zeigte sich ein weiterer Wachstumstreiber: die Digitalisierung. Einige Unternehmen haben ihren Umstieg auf digitale Prozesse schneller vorangetrieben, unter anderem La Compagnie des desserts, das Argos Wityu seit 2016 unterstützt. Angesichts der Schließung von Cafés, Hotels, Eisdielen und Restaurants beschloss das Unternehmen, seinen Umsatz im Bereich Außer-Haus-Verzehr auszubauen und Webinare für Fachleute aus diesem Sektor zu organisieren. Seine Online-Schulungen haben seitdem mehr als 1.000 Teilnehmer angezogen.

Ein weiteres eindrucksvolles Beispiel ist das französische Unternehmen Talentia Software, einer der größten europäischen Anbieter von Finanz- und HR-Software, das seit 2016 von Argos Wityu unterstützt wird. Obwohl alle Mitarbeiter in die Telearbeit wechselten, riss in einer Zeit, in der vor allem bei der Lohn- und Gehaltsabrechnung Notlösungen gefunden werden mussten, der Kontakt zu den Kunden niemals ab. Talentia nutzte die Gelegenheit, um seine Kunden auf ein SaaS-Modell umzustellen und gleichzeitig eine Reihe von Webinaren anzubieten, die im Durchschnitt 500 Teilnehmer pro Veranstaltung anzogen und so beste Voraussetzungen für die Kundengewinnung boten. Aktuell ergeben sich 31 % der Marketingchancen durch Internet- und Outbound-Kampagnen.

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Schnelleres Wachstum

Einigen der Unternehmen, die Argos Wityu unterstützt, versetzte die Krise einen Wachstumsschub. Beispielsweise der Future Groep, einem wichtigen Dienstleister für Kommunalverwaltungen in den Niederlanden, die seit 2017 zum Portfolio von Argos Wityu zählt. Das Unternehmen bietet Outsourcing, Subunternehmen und Beratungsleistungen in den Bereichen Soziales, Schuldenmanagement, Kommunikation und Personalwesen an. Während der Krise mussten 1.400 seiner Mitarbeiter von zu Hause aus arbeiten. Die 2017 von der Geschäftsleitung und Argos Wityu getroffene Entscheidung, die IT-Infrastruktur der Future Groep in eine Cloud-Umgebung zu verlagern, erwies sich jedoch als äußerst vorteilhaft, denn so konnte sie während der Ausgangssperren und Kontaktbeschränkungen wie gewohnt ihrer Geschäftstätigkeit nachgehen. Diese strategische Entscheidung versetzte die Future Groep in die Lage, die Wachstumschance zu ergreifen, die sich durch eine erhöhte Nachfrage von Behörden aus Regionen mit stark durch die Krise belasteten Einwohnern bot.

Bei Lineas, dem größten kontinentaleuropäischen Eisenbahnunternehmen für Gütertransporte, gingen aufgrund von Covid-19 die Frachtmengen zurück.  Die Branche wird jedoch von den Behörden sowohl auf nationaler als auch auf europäischer Ebene als strategisch wichtig eingestuft und erhielt daher Unterstützung, damit die Unternehmen der Krise standhalten können. Dank dieser staatlichen Hilfsmaßnahmen und der Schwierigkeiten anderer Transportsektoren, könnte sich die erwartete Verlagerung des Frachtverkehrs von der Straße auf die Schiene schneller vollziehen als gedacht. Argos Wityu steht Lineas seit 2015 zur Seite und teilt diese Einschätzung nicht nur, sondern rechnet in Zukunft auch mit neuen Konsolidierungschancen und möglichen Übernahmen.

Abschließend ist noch LoQu, eine der führenden Optik- und Hörgeräteketten in Deutschland, zu nennen. LoQu profitierte davon, dass man die unvermeidlichen Lieferengpässe bereits im Februar voraussah. Als sich die Gesundheitslage in Asien verschlechterte, baute das Unternehmen, das seit 2018 von Argos Wityu unterstützt wird, einen Lagerbestand von 8.000 seiner meistverkauften Produkte auf. LoQu erarbeitete zudem Kurzarbeitspläne und Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit seiner Mitarbeiter. Es wurde auf alle Standardverfahren zur Stützung und Aufrechterhaltung des Cashflows zurückgegriffen, um den Umsatzrückgang auszugleichen und so bis Ende 2020 und darüber hinaus die Liquidität zu sichern. Infolgedessen ist das Unternehmen nun in der Lage, Wettbewerber zu übernehmen, die schwer von der Pandemie getroffen wurden, und verfolgt gleichzeitig seine vor der Krise gefassten Expansionspläne. Diese beinhalten ein neues Konzept für seine Verkaufsstellen, das im zweiten Halbjahr 2020 bekanntgegeben werden soll.

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Stimmen der Unternehmen

Geschäftsführer von Gantrex

Maarten Impens

Argos Wityu bietet den Geschäftsführern ausnahmslos aller Portfoliounternehmen Hilfe beim Krisenmanagement an. Maarten Impens, Geschäftsführer von Gantrex, dem weltweit führenden Anbieter von Schienen für Hochleistungskräne, nimmt diese Unterstützung, die Argos seit 2015 leistet, dankbar an: „Gleich zu Beginn der Covid-19-Krise veranlasste uns Argos dazu, bewusst darüber nachzudenken, welche Auswirkungen sie auf unsere Mitarbeiter, Kunden, Geschäftspartner und auf unsere Finanzlage haben könnte. Dank dieser frühzeitigen Reaktion konnten wir die notwendigen Schritte einleiten, um den Schutz und die Gesundheit unserer Mitarbeiter zu gewährleisten und zugleich die finanzielle Belastung für das Unternehmen zu begrenzen. Während sich die Geschäftsleitung auf die Aufrechterhaltung des Unternehmensbetriebs und die Erarbeitung verschiedener Finanzszenarien konzentrierte, verhandelte Argos ganz pragmatisch mit unseren Kreditgebern. Sie halfen uns bei der Umstrukturierung unserer Tilgungszahlungen und verschafften uns so zusätzlichen Spielraum, um diese außergewöhnliche Zeit zu überstehen. Schließlich konnten unsere Mitarbeiter dank der Investitionen, die Argos während der letzten vier Jahre in die Aktualisierung unserer IT-Systeme gesteckt hat, ihre Arbeit nahtlos von zu Hause aus fortsetzen und sind in der Lage, unsere Kunden ohne Unterbrechung des Geschäftsbetriebs weiter zu betreuen.“

Geschäftsführer von Henri Selmer Paris

Geoffroy Soler

Ähnlich sieht das auch Geoffroy Soler, Geschäftsführer von Henri Selmer Paris, einem seit 2018 durch den Fonds unterstützten Musikinstrumentenhersteller: „In dieser Krise stellt Argos wieder einmal seine Anpassungsfähigkeit und seine Möglichkeiten zur Unterstützung und zur Überwindung größerer Hürden unter Beweis. Beispielsweise indem es uns Masken oder Handdesinfektionsmittel lieferte und uns gleichzeitig bei Finanzierungsverhandlungen unterstützen konnte.“

Geschäftsführer von Juratoys

Ludovic Martin

Ludovic Martin, der Geschäftsführer von Juratoys, meint schließlich: „Die Teams von Argos waren wirklich immer da, wenn man sie brauchte. Sie haben uns bei zwei wichtigen Dingen sehr geholfen: beim Schutz der Mitarbeiter und bei der finanziellen Absicherung des Unternehmens, vor allem mit Blick auf die Gehälter. Ich ziehe den Hut vor ihrem durchgehenden Engagement.“

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Interviewpartner: „Eine lokale Präsenz ist von Vorteil: wir sind nah bei den Unternehmen und haben Kontakte zu den Entscheidungsträgern vor Ort“

Sechs Standorte, ein Team. Seit mehr als 30 Jahren unterstützt die europäische Private-Equity-Gruppe Argos Wityu Unternehmen bei ihrem Wachstum. Auch während der Coronakrise stehen unsere Teams in Frankreich, Deutschland, Italien, Belgien, Luxemburg und der Schweiz unseren Portfoliounternehmen zuverlässig zu Seite und bringen ihre Erfahrungen mit der Lösung komplexer Fragestellungen ein. Louis Godron, Karel Kroupa, Gilles Lorang (Frankreich), Frank Herman (DACH), Jean-Pierre Di Benedetto (Italien) und Gilles Mougenot (Benelux) sprechen über ihre Erfahrungen.


Italien war das erste Land, in dem Argos Wityu aktiv ist, das zu Beginn der Krise strenge Ausgangssperren verhängte. Deutschland, Frankreich, die Niederlande, die Schweiz, Belgien und Luxemburg folgten. Wie haben Sie auf diese Ankündigungen reagiert?

Jean-Pierre Di Benedetto: In Italien haben wir uns bereits am 23. Februar komplett umgestellt und alle persönlichen Besprechungen und Reisen abgesagt. Am 8. März schlossen wir das Büro dann ganz und arbeiteten komplett von zu Hause aus.

Frank Hermann: Die Geschehnisse in Italien machten uns bewusst, was auf die anderen europäischen Länder zukommen könnte: Wir hatten drei Wochen Vorbereitungszeit, und die haben wir genutzt!

Entscheidender Faktor, um die Krise zu überstehen

Enger Austausch zwischen den Standorten, um innerhalb kürzester Zeit abschätzen zu können, welche Maßnahmen in den einzelnen Ländern ergriffen werden sollten


Welche Maßnahmen waren für Ihre Portfoliounternehmen entscheidend?

Louis Godron:  Wir dachten bereits sehr früh, dass die Entwicklung exponentiell verlaufen würde. Unser Motto hieß: beobachten und vorausschauend handeln.

Jean-Pierre Di Benedetto: In den ersten Wochen führten wir eine tägliche Videokonferenz mit den Geschäftsleitungen unserer Portfoliounternehmen ein. Unsere Prioritäten waren die Gesundheit der Mitarbeiter, gefolgt von Liquidität, Liquidität und nochmals Liquidität! Zu diesem Zweck wurden alle verfügbaren, noch nicht genutzten Kreditlinien in Anspruch genommen und sofort zusätzliche Kreditlinien beschafft. Hierfür zeigten sich alle Unternehmen sehr aufgeschlossen. Anschließend überprüften wir akribisch die Forderungen und Verbindlichkeiten, um den Saldo auszugleichen, sobald sich die Situation klärt. Gemeinsam mit der jeweiligen Geschäftsleitung analysierten wir jede große Forderung. Glücklicherweise sah der Cash Cycle bei unseren drei italienischen Unternehmen nicht allzu schlecht aus. Außerdem gründeten wir intern bei Argos ein Covid-Kompetenzteam, um alle relevanten Informationen über Gesundheitsschutzmaßnahmen und die (laufenden Änderungen unterworfenen) staatlichen Verordnungen und Empfehlungen mit Auswirkungen auf das Geschäftsleben zusammenzutragen.

Frank Herman: Als Erstes kümmerten wir uns darum, Vorratsbestände und Lieferketten zu sichern. In Deutschland unterstützen wir zwei Unternehmen: Wibit und LoQu. Der erste Warnhinweis hinsichtlich der Lieferkette kam Ende Januar von Wibit, dessen Produktion in China angesiedelt ist. Daraufhin rieten wir LoQu, umgehend 8.000 seiner meistverkauften Fassungen aus China zu bestellen. Beide Unternehmen ergriffen Maßnahmen, bevor die Krise Europa erreichte, und waren bestens vorbereitet, als in Deutschland die ersten Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen verhängt wurden.

Dann halfen wir unseren Portfoliounternehmen dabei, staatliche Hilfsprogramme in Anspruch zu nehmen. Wir vermittelten umgehend Kontakt zu spezialisierten Anwälten und Beratern. Die Geschäfte von LoQu wurden an einem Montag geschlossen, und am nächsten Tag hatten wir für die 600 Mitarbeiter bereits Kurzarbeit organisiert. Voraussicht und Vorbereitung waren entscheidend.

Ein letzter ganz wesentlicher Aspekt waren Synergien zwischen unseren Portfoliounternehmen. Als beispielsweise LoQu wieder öffnen durfte, konnten wir keine geeignete, für eine sichere Öffnung notwendige Schutzausstattung finden. Ich fragte den Geschäftsführer von Wibit, ob er mit seinen chinesischen Beschaffungsquellen aushelfen könnte. Das tat er, und so konnten die Geschäfte von LoQu wieder öffnen. Ebenso erhielt Olinn in Frankreich die notwendigen Mengen an Handdesinfektionsmittel von Maison Berger.

Entscheidende Faktoren, um die Krise zu überstehen

– Alltägliche Unterstützung der Geschäftsleitung, Hilfe beim Beantragen staatlicher Beihilfen

– Präzise Steuerung von Liquidität, Vorratsbeständen und Lieferkette

– Genaue interne Verfolgung der aktuellen Ereignisse

– Synergien zwischen unseren Portfoliounternehmen

 

Unterscheiden sich die Auswirkungen der Ausgangssperren und -beschränkungen in den einzelnen Ländern?

Karel Kroupa: In Europa reagierten alle Länder auf die gleiche Weise. Sie ließen sich vermutlich vom Beispiel Italiens leiten und legten den Schwerpunkt auf Gesundheit und Sicherheit. Und sie unterstützten die Wirtschaft mit Maßnahmen bis dahin ungekannten Ausmaßes. Zudem sahen sich Unternehmen mit einer Fülle von Informationen konfrontiert, die sie verarbeiten mussten, und es herrschte Unklarheit, wie es am nächsten Tag weitergeht. Unsere lokale Präsenz ist dabei eindeutig von Vorteil: Wir sind nah bei den Unternehmen und haben Kontakte zu den Entscheidungsträgern vor Ort. So können wir ihnen dabei helfen, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Wir hatten den Vorteil, unseren Unternehmen in einem Land, das gerade in eine neue Phase eintrat, mit den Erfahrungen aus einem anderen Land helfen zu können.

 

Entscheidende Faktoren, um die Krise zu überstehen

– Präsenz vor Ort, um Unternehmen beim Treffen der richtigen Entscheidungen zu helfen

– Kommunikation mit Standorten, die den Beginn der Krise bereits hinter sich hatten


Sind Ihnen länderspezifische Probleme aufgefallen? Sektorspezifische?

Karel Kroupa: Da die Phasen nicht überall gleichzeitig eintraten, hatten wir den Vorteil, einem Land mit den Erfahrungen eines anderen helfen zu können. Flexibilität war ein Schlüsselfaktor. Als beispielsweise in Italien eine durch Forderungsausfallrisiken gekennzeichnete Phase eintrat, konnten wir dieses Problem voraussehen und andere Unternehmen schützen.

Flexibilität spielt auch bei den Sektoren eine Rolle. Zum Beispiel war LoQu das erste B2C-Unternehmen in unserem Portfolio, das den Geschäftsbetrieb wieder aufnahm. Die Erfahrungen dort waren motivierend für andere Unternehmen. Ein Erfahrungsaustausch im Digitalbereich ermöglichte unseren Unternehmen ebenfalls einen schnelleren Zugriff auf Informationen und die Möglichkeit, vorausschauend zu handeln.

Entscheidender Faktor, um die Krise zu überstehen

Flexibilität dank unternehmens- und sektorübergreifender Erfahrungen

 

Wie haben Sie sich vor Ort organisiert, um den von Ihnen unterstützten Unternehmen möglichst nah zu sein?

Gilles Lorang: Natürlich hat die jeweilige Geschäftsleitung die volle Kontrolle über ihr Unternehmen, und das bleibt auch so. Unsere Aufgabe besteht darin, sie zu unterstützen. In einem so außergewöhnlichen Umfeld mussten wir es schaffen, die Art und Weise der Zusammenarbeit mit unseren Geschäftsführern und ihren Teams rasch umzustellen. Dazu mussten beide Seiten die richtigen Kommunikationswerkzeuge einrichten, und es galt, der Geschäftsleitung dabei zu helfen, die richtigen Stellschrauben, Maßnahmen oder Experten zu finden. Verfügbarkeit und die Unterstützung der Führungskräfte sind der Schlüssel zum Erfolg.

Entscheidender Faktor, um die Krise zu überstehen

Verfügbarkeit und Unterstützung beim Einrichten der richtigen Kommunikationswerkzeuge sowie beim Finden der richtigen Stellschrauben, Maßnahmen und Experten

 

Warum ist die Ausrichtung von Argos in der aktuellen Krise von Nutzen?

Gilles Mougenot: Aus zwei wichtigen Gründen: Erstens, weil durch die Covid-Krise praktisch alle Veräußerungsprozesse komplex geworden sind (kurz- oder mittelfristige finanzielle Auswirkungen, Anpassung des Geschäftsmodells usw.) und der Umgang mit komplexen Situationen bekanntermaßen unser Kompetenzbereich ist. Und zweitens, weil die Fremdfinanzierungsquellen versiegen. Wir haben stets Wachstumsstrategien bevorzugt, die auf ein geringes Maß an Fremdfinanzierung setzen. Diese Ausrichtung ist eindeutig zu einem besonders wertvollen Vorteil geworden.

Entscheidender Faktor, um die Krise zu überstehen

Eine Investitionsstrategie, die mit den Auswirkungen der Krise im Einklang steht

 

Was war der Hauptfehler, den es um jeden Preis zu vermeiden galt?

Gilles Lorang: Nicht genügend vorauszudenken, auf notwendige Maßnahmen zu verzichten und sich nicht schnell anzupassen. Das Zeitmanagement war ausschlaggebend. Wir mussten schnell Analysen durchführen, Diagnosen stellen und Prioritäten setzen können. Die Geschäftsleitungen sind auf sich gestellt, wenn wichtige Entscheidungen zu treffen sind, und wir standen ihnen unterstützend zur Seite. Sobald die Schutzmaßnahmen und Sicherheitsvorkehrungen eingeführt worden waren, mussten wir weiter vorausdenken. Welche tiefgreifenden Änderungen würden die jeweilige Branche und die Geschäftstätigkeit des Unternehmens erwarten? Wie sollte das Geschäftsmodell angepasst werden? Welche strategischen Initiativen sollten aufgelegt werden? Kurzum, ein gutes Management hängt mit der Fähigkeit des Unternehmens zusammen, vorausschauend zu handeln. Es ist unsere Aufgabe, dafür zu sorgen, dass ein Unternehmen nicht von seinen bewährten Verfahren abweicht, selbst wenn es aufgrund der Krise die Orientierung verliert.

 

Entscheidende Faktoren, um die Krise zu überstehen

Beobachten, vorausschauen, anpassen und sicherstellen, dass das Unternehmen nicht von seinen bewährten Verfahren abweicht

 

Wie werden Sie Ihren Portfoliounternehmen in nächster Zeit unter die Arme greifen,  wie sieht die Erholungsstrategie aus?

Karel Kroupa: Wir werden auf jeden Fall die Digitalisierung vorantreiben, an der Flexibilität der Geschäftsmodelle arbeiten und uns auf die Einbindung der Mitarbeiter konzentrieren.

Frank Herman:  Eine wichtige Frage für die B2C-Unternehmen im Portfolio ist, wie sie Kunden und Mitarbeiter wieder in die Geschäfte bringen. Die Unternehmen entwickeln gerade entsprechende Strategien.

 

Entscheidende Faktoren, um die Krise zu überstehen:

– Digitalisierung beschleunigen

– Geschäftsmodelle flexibler gestalten

– Initiativen für mehr Zusammenhalt in den Teams fördern

– Kunden und Mitarbeiter wieder in die Geschäfte bringen

 

 

Auf welches Erholungsszenario richten Sie Argos aus?

Louis Godron: In dieser sehr eigentümlichen Situation wird die wirtschaftliche Entwicklung von der medizinischen getrieben. Letztlich wird es keine Erholung geben, die den klassischen makroökonomischen Regeln folgt, sondern alles hängt davon ab, ob und wie schnell es gelingt, eine medizinische Lösung für die Epidemie zu finden. Abgesehen davon könnte sich die Situation auch jederzeit verschlechtern, zum Beispiel durch eine Mutation des Virus oder eine zweite Infektionswelle.

Seit Februar haben wir viel Zeit auf Gespräche mit Infektionsmedizinern und das Studium epidemiologischer Fachliteratur verwendet, um die Lage richtig einzuschätzen. Wir sind immer davon ausgegangen – und tun dies auch noch – dass eine V-förmige Erholung angesichts der weltweiten gesellschaftlichen Auswirkungen des Virusausbruchs unwahrscheinlich ist, und wir uns bei unseren Überlegungen stattdessen auf zwei Szenarien stützten sollten.

Im Idealfall wird noch vor dem Sommer ein Medikament gefunden, dass die Ansteckungsquote deutlich verringert oder eine Ansteckung verhindert. In diesem Falle wäre eine Lockerung der sozialen Einschränkungen aus ethischer und politischer Sicht schneller zu vertreten, und wenn das Virus unter Kontrolle ist, kehren wir zur Normalität zurück. Wir könnten dann im ersten und zweiten Quartal 2021 mit einer recht kräftigen Konjunkturerholung rechnen.

Alle anderen Fälle führen zu einem ähnlichen zweiten Szenario: Unabhängig davon, ob ein Impfstoff gefunden wird (höchstwahrscheinlich nicht vor dem vierten Quartal), in der zweiten Jahreshälfte ein Medikament entwickelt oder überhaupt keine Lösung gefunden wird – die Wirtschaft kann sich dann wahrscheinlich nur langsam aus der Flaute befreien, und bis zum Jahresende besteht immer das Risiko, dass weitere Infektionswellen den Aufschwung ausbremsen.

Vergleiche mit der weltweiten Finanzkrise von 2008/09 sind unseres Erachtens jedenfalls weitestgehend unangebracht, da diese Krise durch eine massive Finanzklemme ausgelöst worden war. Bei der aktuellen Krise hingegen erhielt die ohnehin schon mit reichlich Liquidität ausgestattete Wirtschaft eine beispiellose Finanzspritze. Darüber hinaus reagieren die Regierungen schnell mit immensen Hilfsleistungen aus dem Staatshaushalt. Aufgrund dieser äußerst umfangreichen Maßnahmen zur Rezessionsbekämpfung wird die Erholung nach der Lösung des medizinischen Problems unserer Meinung nach stärker als die zwischen 2010 und 2014 ausfallen.

 

Entscheidender Faktor, um die Krise zu überstehen

Vorausschauende Analyse der verschiedenen Erholungsszenarien durch Gespräche mit Infektionsmedizinern und das Studium epidemiologischer Fachliteratur, um die Lage richtig einzuschätzen

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