Verbreitung von ESG-Prinzipien in ganz Europa

Um nachhaltig zu sein, muss das Wachstum eines Unternehmens auf einem verantwortungsbewussten Managementsystem basieren, das ökologische, soziale und Governance-Faktoren (ESG-Aspekte) berücksichtigt. Argos Wityu ist auf europäischer Ebene präsent und ermutigt und unterstützt alle seine Portfoliounternehmen hinsichtlich dieser Themen.

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Einsatz für eine bessere Umwelt

94% unserer Portfoliounternehmen beteiligen sich an Umweltinitiativen. Dazu gehören die Reduzierung von CO2-Emissionen, Abfallrecycling und die Verringerung ihres Wasser- und Stromverbrauchs.

Lineas, das größte private Eisenbahnunternehmen für Gütertransporte in Europa, stellt die nachhaltige Entwicklung in den Mittelpunkt seiner Tätigkeit. Das seit 2015 von Argos Wityu unterstütze Unternehmen sieht seine Aufgabe im Zuge der Verkehrswende darin, derart überzeugende Schienenverkehrslösungen zu entwickeln, dass die Kunden ihren Frachtverkehr von der Straße auf die Schiene verlagern. Dadurch würde das Unternehmen nicht nur seine Lieferkette verbessern, sondern auch eine positive Wirkung im Hinblick auf Klima und Mobilität erzielen. Der Schienenverkehr verursacht neunmal weniger CO2– sowie achtmal weniger Schadstoffemissionen, und ein einzelner Zug kann so viel Fracht befördern wie 40 Lkw. Lineas verfügt überdies über eine Strategie, mit der die eigenen Aktivitäten nachhaltiger gestaltet werden sollen. Basierend auf den Zielen für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen fasst die Nachhaltigkeitsstrategie von Lineas beispielsweise neue Bremssysteme für Frachtwagons zur Reduzierung der Lärmbelastung und Schulungen für umweltfreundliches Fahren für seine Zugführer ins Auge, die dazu beitragen, den Energieverbrauch noch weiter zu senken. Im Rahmen eines bevorstehenden Projekts plant Lineas zusammen mit der belgischen Nichtregierungsorganisation Natuurpunt, in einem 10.000 Quadratmeter großen Naturschutzgebiet Bäume zu pflanzen, um die Biodiversität zu verbessern. Lineas wurde 2020 zum dritten Mal in Folge mit der Voka-Charta für nachhaltiges Wirtschaften ausgezeichnet und erhält im Oktober 2020 zudem das UNITAR-Zertifikat für nachhaltiges Wirtschaften.

Die Fabbri Group, ein bei der Herstellung und Vermarktung integrierter Lösungen für Lebensmittelverpackungen führendes italienisches Industrieunternehmen, wird seit 2017 von Argos Wityu unterstützt und hat jüngst einen neuen Ansatz im Hinblick auf Nachhaltigkeit umgesetzt. Ein Resultat dieses Ansatzes ist Nature Fresh, die erste zertifizierte kompostierbare Frischhaltefolie für automatische und manuelle Verpackungsarbeiten weltweit. Da die Folie die Menge an Einwegkunststoff reduziert, ohne an Qualität einzubüßen, gewann Nature Fresh den renommierten italienischen Preis für die „beste Verpackung“.

Auch das niederländische Dienstleistungsunternehmen Cohedron (ehemals Future Groep), das seine ISO 14001-Zertifizierung jedes Jahr erneuern lässt, hat es sich zum Ziel gesetzt, seine Auswirkungen auf die Umwelt zu minimieren. Die Gruppe, die seit 2017 von Argos Wityu unterstützt wird, strebt bis zum Jahr 2025 Kohlenstoffneutralität an. Um dieses Ziel zu erreichen, hat Cohedron – in Anbetracht der Tatsache, dass 80% seiner Emissionen durch seine Fahrzeugflotte verursacht werden – eine App für seine 1.500 Mitarbeiter entwickelt, mit der sie ihren Kraftstoffverbrauch überwachen und reduzieren können. Gleichzeitig läuft ein fortlaufendes Programm zur Ersetzung von Dieselfahrzeugen, und das Unternehmen ermutigt seine Mitarbeiter, die Zahl der Fahrten zu reduzieren und umweltfreundlichere Fortbewegungsmöglichkeiten wie öffentliche Verkehrsmittel oder Elektrofahrräder zu nutzen.

Auch für Gantrex aus Belgien, das eine weltweit führende Position am Markt für Kräne und Speziallösungen für den Schienenverkehr einnimmt, ist die Reduzierung der CO2-Emissionen prioritär. Das seit 2015 von Argos Wityu unterstützte Unternehmen will seine CO2-Emissionen in Belgien jährlich um 33% und weltweit um 20% zu reduzieren. Geplant ist unter anderem, Elektrofahrräder anzumieten, 10% der Fahrzeugflotte durch Hybridautos zu ersetzen, Autofahrten zu reduzieren (10% mehr Zugfahrten und Streichung von 5% aller Fahrten) und Telearbeit (ein Tag pro Woche) einzuführen.

Ein weiterer ESG-Aspekt wird von La Compagnie des Desserts aus Frankreich angegangen, die gefrorene Desserts und Eiscreme für den B2B-Kanal und den Food-Service-Markt produziert. Das seit 2016 von Argos Wityu unterstützte Unternehmen achtet besonders auf die Auswahl der Zutaten und bevorzugt kürzere Lieferketten (mit frischer Milch aus den Pyrenäen und Obst aus dem Rhône-Tal, beides französische Regionen) für seine Eiscremes und Sorbets, die alle nach handwerklichen Methoden hergestellt werden. Im Jahr 2020 liegt der Schwerpunkt auch auf der Abfallreduzierung, der Überarbeitung einiger Rezepte (Weglassen von Palmöl und Verwendung von Clean-Label-Produkten) und der Erhöhung des Anteils von Elektroautos in der Fahrzeugflotte.

Für Juratoys, einen französischen Spezialisten für die Gestaltung traditioneller Lernspiele und -spielzeuge, der seit 2018 von Argos Wityu unterstützt wird, stand im Jahr 2019 zunächst die Durchführung eines ESG-Audits bei seinen Lieferanten, Kunden und Mitarbeitern auf dem Programm. Im Rahmen des Audits wurden verschiedene Möglichkeiten zur Verbesserung der ESG-Aktivitäten des Unternehmens aufgezeigt, darunter die Verwendung umweltfreundlicher Materialien, die Reduzierung von Verpackungsabfällen durch die Optimierung der Nutzung von Verpackungsmaterialien, die Förderung umweltschonender Verhaltensweisen der Mitarbeiter (in Bezug auf Reisen, Abfall und Sortierung für Recycling usw.) und die Ermittlung des Kohlenstoff-Fußabdrucks des Unternehmens, mit dem Ziel, seine CO2-Emissionen zu reduzieren und auszugleichen. Das Unternehmen mit Sitz in Orgelet im französischen Jura hat sich 2019 der Initiative Forest & Life! angeschlossen, die zum Schutz der Biodiversität in Frankreich beiträgt und geschädigte Waldgebiete unter Mithilfe von Kindern aus lokalen Grundschulen wiederaufforstet.

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Respekt für Frauen und Männer

Argos Wityu unterstützt Unternehmen bei der Beurteilung der Qualität ihrer sozialen Interaktionen, der Ausbildung ihres Personals, der Wahrung der Arbeitnehmerrechte, der Geschlechtergerechtigkeit, des Anteils von Mitarbeitern mit Minderheitenhintergrund und der Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen.

Juratoys Juratorys hat sich zwei Vereinigungen angeschlossen, deren Werte mit jenen des Unternehmens übereinstimmen. Petit Coeur de Beurre trägt zur Verbesserung der Lebensqualität von Kindern mit Herzerkrankungen bei. Juratoys unterstützt überdies Dons Solidaires. Durch diese Partnerschaft ist das Unternehmen in der Lage, zwei wesentliche Säulen zu fördern: Solidarität durch Hilfe für Bedürftige und Kreislaufwirtschaft durch die Bekämpfung von Abfall.

Und schließlich hat auch Moro, der größte italienische Frischkäsehersteller und -vertreiber, seine Bestrebungen in ähnlicher Weise auf das Wohlbefinden seiner Mitarbeiter ausgerichtet. Das Unternehmen, das seit 2019 durch den Fonds unterstützt wird, hat seine Gehaltspolitik überprüft und in der Folge das Management der Überstunden seiner Mitarbeiter verbessert sowie ein neues Anreizsystem und andere Leistungen für seine Teams eingeführt.

Einen anderen Schwerpunkt setzt Olinn, eine europäische Gruppe für professionelles Ausrüstungsmanagement mit einem nachhaltigen und verantwortungsvollen Ansatz, die seit 2018 von Argos Wityu unterstützt wird. Das Unternehmen beschäftigt 60 behinderte Mitarbeiter, was einem Drittel der Gesamtbelegschaft entspricht. Sie übernehmen die Generalüberholung von IT- und Mobilfunkgeräten in den firmeneigenen Werkstätten. Olinn legt auch großen Wert auf die Ausbildung und Einarbeitung neuer Mitarbeiter sowie auf die Integration von Teams im Rahmen seiner Aktivitäten. Im Jahr 2019 entschieden sich mehrere Mitarbeiter der Gruppe für die Unterstützung der Wohltätigkeitsorganisation Marion, La Main Tendue(„Marion, die helfende Hand“), die gegen Belästigungen und Mobbing kämpft.

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Transparenz und Unabhängigkeit der Governance

Bei den Unternehmen in seinem Portfolio überwacht Argos Wityu die Transparenz der Vergütung von Führungskräften und sowohl die Unabhängigkeit als auch den Grad der Vertretung von Frauen in ihren Vorständen.

LoQu, eine große Optiker- und Hörgeräte-Einzelhandelskette in Deutschland, stellt seit jeher die Compliance in den Mittelpunkt ihrer Gesamtstrategie. Das Unternehmen wird seit 2018 von Argos Wityu unterstützt und hat einen Verhaltenskodex entwickelt, der strenge Regeln für seine Läden und Lieferanten festlegt, um so ein nachhaltiges und ethisches Verhalten über die gesamte Lieferkette hinweg zu gewährleisten.

Wibit, die weltweit führende Marke für schwimmende Wasserparks mit Sitz in Deutschland, möchte dem Global Compact der Vereinten Nationen beitreten. Das seit 2018 von Argos Wityu unterstützte Unternehmen hat zahlreiche Maßnahmen ergriffen, um die Prinzipien des Compact zu erfüllen. Dazu gehört das zehnte und letzte Prinzip, das Unternehmen auffordert, proaktive Richtlinien und Programme zur Korruptionsbekämpfung zu entwickeln, sowohl intern als auch innerhalb ihrer Lieferketten.

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[Interview Ashoka]
Soziale Unternehmer, die Katalysatoren des gesellschaftlichen Wandels der Unternehmen

Maylis Trassard, Communications Director

Maylis Trassard,
Der Kommunikationsleiterin der Organisation Ashoka.

 

Die vor vierzig Jahren gegründete Nichtregierungsorganisation Ashoka ist ein Netzwerk von Akteuren des Wandels, das sich weltweit in Zusammenarbeit mit Unternehmen insbesondere des Handelssektors für die gesellschaftliche Innovation einsetzt. Interview mit Maylis Trassard, der Kommunikationsleiterin der Organisation

Bitte erläutern Sie kurz, worum es sich bei Ashoka handelt.

Seit vierzig Jahren wählen wir Unternehmer – so genannte „Fellows“ – aus, die sich um die Lösung eines sozialen, umweltbezogenen oder zivilgesellschaftlichen Problems bemühen, und begleiten sie dabei. Auf welche Art? Indem wir am Fortbestand und der Hybridisierung ihres Modells arbeiten, vor allem aber, indem wir sie bei der Verstärkung des Einflusses auf ihr Ökosystem unterstützen, um einen Prozess zu beschleunigen, den wir als Systemwechsel bezeichnen.

Wir sind eine unterstützende und begleitende Gemeinschaft, die 1980 vom ehemaligen McKinsey-Berater Bill Drayton ins Leben gerufen wurde. Auf einer Indienreise lernte Bill Drayton Menschen kennen, die sich auf innovative Weise mit gesellschaftlichen Problemen befassten und sich eine tiefgreifende Veränderung der Strukturen und Verhaltensweisen der Gesellschaft vorgenommen hatten. Aus der Überlegung heraus, dass man bei der Lösung gesellschaftlicher Probleme allein auf öffentliche Stellen angewiesen ist, reifte in ihm das Konzept des sozialen Unternehmers heran.

Ashoka umfasst heute über 4.000 Unternehmer aus 90 Ländern. Wie sind sie zu Ashoka gestoßen?

Wir verfügen über ein Netzwerk von so genannten „Nominierern“, die sie ausfindig machen. Diese Nominierer stammen selbst aus dem sozialen Unternehmertum oder sind Experten für einen bestimmten Sektor. Wir versuchen, beide Aspekte miteinander zu verbinden, weil wir uns nicht auf eine bestimmte Sache konzentrieren: Wir treffen uns mit allen sozialen Unternehmern, die an den 17 Zielen der nachhaltigen Entwicklung der UNO arbeiten.

Wir suchen weltweit nach Unternehmern, die in der Lage sind, ihren Sektor – Umwelt, Gesundheit, Bildung, Ernährung, Beschäftigung, Technologie, Forschung usw. – weiterzuentwickeln. Wir stellen auch fest, dass 30 % der Ashoka-Fellows heute mit der jungen Generation zusammenarbeiten. Wenn das so ist, beweist dies, dass der soziale Wandel insbesondere in gesellschaftlicher Hinsicht auf ihnen beruht.

Sie bezeichnen die sozialen Unternehmer als Triebfeder der Innovation für die Unternehmen. Wie fördern Sie diese „Win-Win“-Partnerschaften zwischen den Ashoka-Fellows und den Organisationen?

Wir begleiten die Ashoka-Fellows auf mehrere Arten. Wir bieten Schulungen zum Systemwechsel an, die den Unternehmern dabei helfen, die richtige Strategie zu wählen, um möglichst großen Einfluss zu erzielen; unser Netzwerk von ehrenamtlichen Mentoren berät sie zu Fragen auf den Gebieten Kapitalbeschaffung, Humanressourcen, Marketing und Rechtsfragen; Know-how-Sponsoren erfüllen gleichermaßen ihre Mission bei den sozialen Unternehmern (wie z. B. Kearney zur Strategie, Rothschild & Co zur Kapitalbeschaffung, Capgemini für den digitalen Wandel, Latham & Watkins für rechtliche Aspekte der Hybridisierung ihres Wirtschaftsmodells); und schließlich legen wir großen Wert auf Beziehungen auf Augenhöhe. Wie Oussama Ammar, der Gründer von The Family oftmals zu sagen pflegte: „Hören Sie nicht auf jeden Ratschlag, den man Ihnen gibt. Außer wenn er von einem anderen Unternehmer stammt!“. Dies gilt auch für das soziale Unternehmertum. Die Veränderung der Systeme, Denkweisen und Gesetzmäßigkeiten, die sich die Ashoka-Fellows vorgenommen haben, ist dermaßen anspruchsvoll und komplex, dass die Verbindungen mit anderen Unternehmern zu damit verknüpften Themen zuweilen die Wirkung viel schneller verstärken als dies eine Consultingfirma, ein Berater oder ein Mentor aus der Branche tun könnte.

Sobald die vier Säulen der Zusammenarbeit genutzt werden, kommt es schon sehr bald zur Co-Creation mit den Unternehmen. Wir helfen dem sozialen Unternehmer, Zielunternehmen ausfindig zu machen, die nach Innovation im sozialen oder Umweltbereich streben. Andererseits treten sehr oft Unternehmen an uns heran, die wissen möchten, wie man sich engagiert, wie man die Einflussnahme in den Mittelpunkt des Geschäftsmodells stellt, wie man neue Bereiche des Marktes, Regionen oder Bevölkerungsgruppen erreicht – z. B. anfällige Gruppen, zu denen ihnen Daten und Erfahrungen fehlen… Hier kommt die Zusammenarbeit mit einem sozialen Unternehmer, der die lokale Situation unmittelbar kennt, voll zum Tragen.

Gibt es Beispiele für Partnerschaften und Projekte, die sowohl sozial als auch wirtschaftlich sind?

Ein einflussreiches Beispiel ist die 2012 begonnene Zusammenarbeit zwischen dem deutschen Unternehmen SAP und dem sozialen Unternehmer Specialisterne. Die Idee zu dieser Partnerschaft ist aus einem dringenden persönlichen Anliegen eines Vaters hervorgegangen. Thorkil Sonne, der Geschäftsführer von Specialisterene, hat einen autistischen Sohn und ist entschlossen, das Bewusstsein der Menschen dahingehend zu verändern, dass Autisten nicht länger als Problem für die Gesellschaft, sondern als Wissensträger angesehen werden. Autisten zeichnen sich unter anderem durch starkes analytisches Denkvermögen und Furcht vor Veränderungen aus. SAP wiederum hatte in einem regelrechten Krieg um Talente im Technologiesektor unter starken Personalfluktuationen zu leiden, insbesondere bei Computerwissenschaftlern. So begann diese Zusammenarbeit, und andere Unternehmen wie Microsoft, EY, IBM und WillisTowersWatson folgten diesem Beispiel. Heute ist das Modell von Specialisteren in elf Ländern verbreitet und schafft Arbeitsplätze mit hohem Mehrwert für 10.000 Personen, die an Autismus leiden.

Thorkil Sonne

Dies ist Teil unserer Strategie, die darin besteht, den Unternehmen Starthilfe zu geben. Anschließend wenden sie diese Kenntnisse zur Stärkung ihrer inneren Kapazitäten an, um ihre Personalpolitik und ihre Verwaltung anzupassen. Wir bieten ihnen dabei unsere Hilfe an, insbesondere auf neuen Gebieten.

─ Thorkil Sonne, Gründer von Specialisterne

Die Krise hat den Unternehmenszweck in den Vordergrund gerückt und bei einigen Unternehmen die Einführung von ESG-Maßnahmen beschleunigt. Ist das ein Mitnahmeeffekt oder denkt man tatsächlich verstärkt über diese Fragen nach?

Mit Sicherheit erleben wir einen spürbaren Anstieg der Anfragen. Dies macht sich sogar bei unserer pädagogischen Arbeit bemerkbar. Früher betrieben wir eher Sensibilisierung, da wir spürten, dass wir den kaufmännischen Sektor erst noch davon überzeugen mussten, dass es sinnvoll sei, sich mit Problemen von allgemeinem Interesse zu befassen. Ich glaube, dass sich diese Frage inzwischen erledigt hat und es sich nun vor allem darum dreht, wie man es machen soll, und wie man es gut macht. Deshalb haben wir die Initiative Business for Impact ins Leben gerufen, deren Ziel es ist, alle Angebote auf dem Markt zusammenzufassen und eine Verbindung zwischen sämtlichen Akteuren herzustellen, damit sie gute Praktiken untereinander austauschen und unsere Effizienz und unseren Einfluss stärken können.

Inwieweit können sich der Ansatz der Investmentfonds und Ihr eigener im Hinblick auf ESG ergänzen?

Wir haben ein gemeinsames Ziel: Wachstum. Die Einflussnahme unterliegt jedoch anderen Gesetzmäßigkeiten als der Markt. Das Wachstum der sozialen Organisation ist lediglich der Ausgangspunkt. Wir weisen regelmäßig darauf hin, dass wir im Hinblick auf das Gemeinwohl wachsenden Einfluss anstreben müssen, der über ganz andere Hebel als das interne Wachstum erreicht wird.

Die Universität Stanford, die in der Erforschung der sozialen Innovation führend ist, hat sechs Strategien zur Erreichung eines großmaßstäblichen Einflusses ermittelt. Am naheliegendsten ist internes Wachstum, das jedoch am kostspieligsten und daher am schwierigsten zu erreichen ist. Es folgen die Übernahme durch den Privatsektor, die Übernahme durch den öffentlichen Sektor, die Replizierung, Open-Source und die Übertragung der Handlungsvollmacht an die von der Problematik betroffenen Personen (das so genannte „Empowerment“).

Soziale Unternehmer brauchen Partner und Investoren mit Visionen, die ebenfalls bestrebt sind, unsere gesellschaftlichen Probleme auf lange Sicht zu lösen. Die Kostenersparnis für die Gesellschaft beläuft sich auf mehrere Hundert Millionen Euro, wie wir mehrmals in Zusammenarbeit mit McKinsey nachgewiesen haben. Wenn wir den Blick nur auf das Wachstum der Anzahl der Begünstigten der Strukturen richten, bleibt das Gemeinwohl auf der Strecke. Der Systemwechsel beruht eigentlich auf der Weitergabe von Innovationen von David zu Goliath, was es erforderlich macht, gemeinsam neue Wege zur Messung des Einflusses ausfindig zu machen.

Liebe Unternehmen, haben Sie Lust, gemeinsam Einfluss auszuüben? Wenden Sie sich an Ashoka!

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[Fallstudie Ashoka]
“Verschiedene Lebenswelten und Lebensweisen vereinen und das Beste daraus machen”

Das von Ricarda Zezza in Italien gegründete Unternehmen Lifeed ist seit 2016 Ashoka-Fellow und arbeitet mit Unternehmen zusammen, um ihre Mitarbeitenden auf wichtigen Abschnitten ihres Privat- und Berufslebens zu begleiten. Interview

Ricarda Zezza ist seit 2016 Fellow von Ashoka. Das Projekt, das ihr am Herzen lag, war, italienischen Unternehmen Schulungen anzubieten, um deren Mitarbeitende bei allen Veränderungen ihrer Lebensumstände zu begleiten. „Ich war fünfzehn Jahre in führenden Positionen bei großen Unternehmen tätig. Als ich Mutter geworden bin, war ich mit einem großen Paradox konfrontiert: Während mein Arbeitgeber Geld für Schulungen zur Verbesserung meiner „Soft Skills“ ausgab, wurde das, was in meinem echten Leben passierte, außer Acht gelassen, obwohl dies ein hervorragendes Spielfeld war, um meine Kompetenzen auszutesten“, erinnert sich Ricarda Zezza. „Ich habe daher beschlossen, ein eigenes Unternehmen zu gründen und Organisationen eine Schulungsmethode namens „Life Based Learning“ anzubieten, die Wendepunkte im Leben, wie etwa die Mutterschaft, zum Gegenstand von Schulungen macht. Heute sind über 10.000 Personen aus 70 Unternehmen bei unserer digitalen Plattform angemeldet. Diese Plattform mit dem ursprünglichen Namen „MAAM“, weil sie anfangs für werdende Mütter gedacht war, heißt nun „Lifeed – Life Feeds Education“ und deckt alle Wechselfälle des Lebens ab.“ 

Lifeed pflegt mit allen Unternehmen, mit denen es zusammenarbeitet, ein enges Vertrauensverhältnis. Sobald die Schulungsthemen festgelegt sind, bieten die Personalabteilungen ihren Angestellten den Zugang zur Plattform an. Durch digitalen und Präsenzunterricht verbessern diese so ihre Kompetenzen wie auch ihr Befinden erheblich. Und sie tragen ihrerseits zur Steigerung der gesellschaftlichen Wirkung bei. Ein Beispiel dafür ist die Partnerschaft mit Siram, der italienischen Tochtergesellschaft von Veolia. „Die Zusammenarbeit und die gemeinsamen Ziele für das Gemeinwohl fördern die Synergie und verbessern das Arbeitsumfeld. Wir haben uns für die Lifeed-Schulungen entschieden, weil diese genau darauf abzielen, verschiedene Lebenswelten und Lebensweisen miteinander zu vereinen und das Beste daraus zu machen“, so Emanuela Trentin, CEO von Siram.

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Gilles Mougenot, Managing Partner, präsentiert ESG bei Argos Wityu

           

           

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